Rahmensprengung: 3 x Public Art in Trier

Große Kunst gibt es nicht nur im Museum. Dank den KünstlerInnen, die sich der Public Art widmen, kann man sie auch ganz einfach im öffentlichen Raum erleben. Dort belebt die Kunst nicht nur das Stadtbild, sondern bereichert den Lebensraum, regt Gespräche an und lädt zum Innehalten und Bestaunen ein. In Trier gibt es zahlreiche solcher öffentlichen Werke, die sich bei Spaziergängen durch die Stadt entdecken lassen. Hier stellen wir euch drei dieser Public Artworks vor. Habt ihr sie alle schonmal live gesehen?

 

1. Buntes in der Aachener Straße

 

Plakative Cartoons in leuchtenden Farben zieren das Eingangstor der Europäischen Kunstakademie seit 2004. Gemalt wurden die absurd-witzigen Kreaturen von Künstler Roman Klonek, dessen Grafiken, Holzschnitte und Drucke merklich von der goldenen Ära der Comics und Trickfilme geprägt sind. Die plakativen Motive des in Kattowitz (Polen) geborenen Künstlers umfassen ein breites Spektrum an ausgefallenen und skurrilen Wesen, die sich zwischen Mensch und Tier nicht so recht entscheiden wollen. Durch sie zeigt das schrill-bunte Tor der EKA schon außen, was dahinter zu finden ist: Jede Menge Farbe und kreativer Raum.

 


2. Dei Papp is e Schrotti…

 

…heißt eines der humorvollen Werke von Mundartdichterin Cläre Prem. Das aber nicht gleich jedes Metallstück auch zur Kategorie Schrott gehört – und, nach kurzer Vorwarnung durch lautes Klingeln, mitgenommen werden darf – bezeugt das Bronze-Relief von Cläre Prem, das bereits seit mehr als 30 Jahren über das Treiben auf dem Hauptmarkt wacht. Zu Lebzeiten wachte Prem über den Erhalt der moselfränkischen Mundart und war insbesondere dem Karneval zugeneigt. Für den Trierischen Volksfreund erschuf sie die Trierer Originale ‚Koorscht und Kneisjen‘, die noch bis in die 80er Jahre einen festen Platz in den Kappensitzungen der KG Heuschreck hatten. Durch die Karnevalsgesellschaft in Auftrag gegeben, wurde das Relief 1990 durch den Bildhauer Willi Hahn angefertigt und prangt seit 1991 an Cläre Prems ehemaligen Wohnhaus. Wer genau hinschaut, kann sogar eine kleine Heuschrecke auf dem Relief erkennen, die der KG ihren Namen leiht.

 

3. Zahllose Uferperspektiven

 

Wer schonmal am Krahnenufer im Stau gestanden hat (und wer hat das nicht?), könnte sich beim Blick aus dem Fenster gefragt haben, was es eigentlich mit der geometrisch-bunten Skulptur in Krahnennähe auf sich hat. Es handelt sich dabei um das Werk ‚Divisa‘ von dem Pfälzer Künstler Dieter Balzer. Die farbenfrohe Konstruktion besteht aus vier ineinander verschränkten Rahmen und ist sichtlich mit der konkreten Kunst verwandt. Die vertikalen und horizontalen Sterben erzeugen ein abwechslungsreiches Perspektivenspiel, das – je nach Betrachtungsstandort – immer neue Blickwinkel auf das Werk und die Umgebung eröffnet. Schaut doch mal vorbei und findet heraus, welche neuen Einblicke auf das Moselufer die Skulptur für euch bereithält!

 

Konkrete Kunst zeichnet sich durch klaren Formen und geometrischen Muster aus. Man könnte sagen, sie ist so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, nur ohne die tickende Geräuschkulisse. Diese Art von Kunst kann manchmal so abstrakt sein, dass man sich fragt, ob der Künstler einfach nur ein Lineal und einen Zirkel benutzt hat. Aber wer braucht schon realistische Darstellungen, wenn man stattdessen ein Quadrat auf einer Leinwand bewundern kann? Und bevor ihr jetzt darüber verzweifelt, keine Möglichkeit zu finden, in mathematisch-geometrisch berechneten Formen ein abstrahiertes Pferd oder eine gezirkelte Schale mit Früchten  zu erkennen, macht euch lieber freudestrahlend klar: Konkrete Kunst befreit. Nämlich von dem Zwang, in allen Formen etwas Gegenständliches entdecken zu müssen.

Kunst im öffentlichen Raum braucht keinen Rahmen und kein Museum.

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