Das Trierer UNESCO-Welterbe erleben: „Analog und Digital“

Der digitale Wandel erfasst immer mehr Lebensbereiche. In der Vermittlung von Kulturerbe spielen entsprechende Angebote schon seit längerem eine wichtige Rolle und werden zunehmend ausgebaut. In Trier begegnen sie an unterschiedlichen Orten im Welterbe.

Die Kombination macht es

Im Zentrum der Vermittlung müssen neben den Gebäuden des Welterbes die Besucherinnen und Besucher stehen, die zum Teil ganz unterschiedliche Erwartungen haben. Der Wunsch, die Bauwerke bzw. Ruinen persönlich vor Ort mit allen Sinnen – also analog – zu erleben, spielt dabei sicherlich immer eine wesentliche Rolle. Digitale Angebote in diese analoge Welt des Besuchs so zu integrieren, dass sie das „Analoge“ erklären, bereichert das Erleben der Bauwerke ganz entscheidend. Eine bewusste Kombination von analogen und digitalen Angeboten, die wahlweise genutzt werden können und sich ergänzen, kann dabei unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen.

Modelle vermitteln Raumeindruck

Die beiden realen römischen Stadtmodelle in den Barbarathermen und der Porta Nigra sind bereits seit 2015 Besuchermagnete bei einem Rundgang. Ein weiteres Modell wurde 2020 in der Porta Nigra aufgestellt. Es zeigt die Rekonstruktion des römischen Stadttors als Kirche St. Simeon. Der im 11. Jahrhundert erfolgten Umwandlung in eine Kirche ist es zu verdanken, dass die Porta Nigra so gut erhalten blieb. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entschloss man sich zum Rückbau der Kirche, um das römische Stadttor wieder erkennbar zu machen. Das Konzept des realen Modells der Kirche wurde um weitere digitale Angebote und Rekonstruktionen ergänzt. Im Sockel des Modells ist ein Touchscreen enthalten, mit dem verschiedene Filme die fast 800 Jahre währende Nutzung als Kirche vor Augen führen. Wer möchte, kann im römischen Stadttor außerdem weitere Informationen und digitale Rekonstruktionen direkt mit dem eigenen Smartphone abrufen. Die Umwandlung in eine Kirche und der Rückbau kann auch ganz unmittelbar mit Modellen zum Anfassen im Eingangsbereich der Porta Nigra ertastet werden.

Rekonstruktion und Geschichte(n)

Rekonstruktion der städtischen West-Ost-Achse von Amphitheater über Kaiserthermen, Forum, Barbarathermen bis zur Römerbrücke (© GDKE/Rheinisches Landesmuseum Trier und Dießenbacher Informationsmedien, Xanten)

Seit 2020 können Besucherinnen und Besucher im Amphitheater ebenfalls mit dem eigenen Smartphone auf digitale Inhalte zugreifen. Diese visualisieren über Filmsequenzen mit realen Inhalten und animierten Rekonstruktionen die antike römische Lebenswelt im Amphitheater. Dabei werden Themen wie zum Beispiel „Konstruktion und Errichtung des Großbaus“, „Hebebühnen für die szenischen Aufführungen in der Arena“ und „magische Rituale im Arenakeller“ behandelt. Das digitale Angebot ist auf Deutsch, Französisch, Englisch, Niederländisch und in „leichter Sprache“ verfügbar. Wer ohne Smartphone in der Hand unterwegs sein will, kann zur Einführung einen zusammenfassenden Film der digitalen Rekonstruktionen im Eingangsbereich des Amphitheaters betrachten. Zusätzlich werden Bilder der Rekonstruktionen auf neu installierten Informationspaneelen gezeigt, die über ein Wegeleitsystem innerhalb des Areals erschließbar sind. Eine dauerhafte Klangkulisse mit Arenageräuschen und bittsuchenden Beschwörungsformeln im Keller unter dem Arenaboden entführt die Besucherinnen und Besucher „mit den Ohren“ in die Welt der römischen Gladiatoren.

Amphitheater Arenakeller, Filmausschnitt mit digitalen Inhalten (© GDKE/Rheinisches Landesmuseum Trier, Rekonstruktion: GDKE Trier und Dießenbacher Informationsmedien, Xanten)

Ob analog oder digital – Forschung ist die Grundlage

Ausgrabungen und Forschungen erweitern fortlaufend unser Wissen um das Aussehen des römischen Trier. Sie bestätigen Erkenntnisse, führen aber auch zu Korrekturen unseres Bildes der antiken Stadt. Schon bei den zeichnerischen Rekonstruktionen früherer Zeiten war es wichtig, diese regelmäßig zu aktualisieren und anzupassen. Das gilt natürlich in gleichem Maß für die digitalen Visualisierungen der römischen Bauten. Keine Fantasiewelt soll vermittelt werden, sondern eine möglichst dichte Annäherung an die römische Lebenswelt in Trier.
Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet das Rheinische Landesmuseum Trier eng mit Universitäten und Hochschulen zusammen, unterstützt wissenschaftliche Projekte und Publikationen. Der Verbund zur Erforschung der antiken Kaiserresidenz (VaKT) in Trier bündelt viele dieser Projekte. Die Ergebnisse der Untersuchungen fließen dann in die Rekonstruktionen ein.

Wie Trierer Schülerinnen und Schüler, die zukünftig als „UNESCO-Scouts“ unterwegs sein werden, das Welterbe sehen, können Sie im nächsten Blog-Beitrag lesen.

Tipps

  • Digitale Inhalte zum römischen Trier können auch unter #kulturErbeOnline abgerufen werden:
Dr. Karl-Uwe-Mahler

Zur Person

Studium in Kiel, Berlin und Mainz. Mitarbeit in verschiedenen Drittmittel-geförderten Forschungs- und Grabungsprojekten im In- und Ausland (u.a. UNESCO-Welterbestätten Lepcis Magna, Petra und Trier). Lehrtätigkeit (seit 2007) an den Universitäten Mainz, Gießen, Frankfurt und an den Hochschulen Wiesbaden und Trier. Zuletzt Schwerpunkt in der Lehre auf Vermittlung von archäologischem Erbe im Rahmen des Studienganges „Baukulturerbe” an der Hochschule Wiesbaden. Seit 2019 zuständig für die römischen Bauten am Rheinischen Landesmuseum Trier.

UNESCO-Welterbe Trier

Zur Blog-Reihe

1986 wurden die Römerbauten Porta Nigra, Amphitheater, Kaiserthermen, Barbarathermen, Konstantin-Basilika, Römerbrücke und Igeler Säule sowie der Dom St. Peter und die Liebfrauenkirche zum UNESCO-Welterbe erklärt. Dr. Karl-Uwe Mahler vom Rheinischen Landesmuseum Trier beleuchtet in einer fünfteiligen Reihe das Trierer Welterbe mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten.

Warum es etwas Besonderes war, dass 1986 gleich neun Trierer Bauwerke in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden sind, kannst du hier nachlesen: „Welterbe in Trier – wie alles begann“



Titelfoto: GDKE/Rheinisches Landesmuseum Trier und Dießenbacher Informationsmedien, Xanten)

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