Das Römische Reich im UNESCO-Welterbe entdecken

Zeugnisse römischer Kultur sind in vielen Ländern erhalten. Manchmal ist es nur ein einziges Baudenkmal, das die Zeiten überdauert hat. Trier aber reiht sich unter die prominenten Orte ein, in denen gleich mehrere römische Gebäude erlebbar sind – das kann sich sehen lassen, findet unser Gastautor Dr. Karl-Uwe Mahler.

Stadt für die Menschen – Stadt für den Kaiser

Bauwerke prägen im städtischen Raum ganz entscheidend das tägliche Leben. Die römischen Bauten spiegeln somit Lebensbereiche wider, die für die Einwohnerschaft von hoher Bedeutung waren. Je umfangreicher diese Gebäude heute erhalten sind, desto umfassender kann uns die damalige Stadt in ihrer Gesamtheit wieder vor Augen geführt werden.

Rekonstruktion des Palastareals von Trier im 4. Jahrhundert mit Kaiserthermen und Konstantin-Basilika im Vordergrund, dahinter der Vorgängerbau des Doms und die Porta Nigra (© GDKE/Rheinisches Landesmuseum Trier und Dießenbacher Informationsmedien, Xanten)

In Trier ist das in einzigartiger Weise möglich. Die Infrastruktur, die Badekultur, das Spielewesen, die Stadtverteidigung und das Gräberwesen sind mit Römerbrücke, Barbarathermen, Amphitheater, Porta Nigra und Igeler Säule heute noch greifbar. Ganz besonders ausgezeichnet wird die römische Stadt durch die Erhebung zur Kaiserresidenz am Ende des 3. Jahrhunderts. Die Konstantin-Basilika und die Kaiserthermen zeugen vom monumentalen Bauprogramm dieser Zeit und der Veränderung des städtischen Gefüges. Die Bedeutung Triers für die Geschichte des Christentums in römischer Zeit und die kirchliche Kontinuität am Ort werden durch Dom und Liebfrauenkirche symbolisiert.

Außergewöhnliche Einzelbauten römischer Zeit

Schon bevor das Trierer Welterbe 1986 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde, erhielten zahlreiche Orte römischer Kultur das besondere Prädikat. Zum Teil sind es jedoch nur einzelne aber außergewöhnlich gut und vollständig erhaltene Gebäude. So wurde zum Beispiel in Frankreich im Jahr 1981 der römische Bogen von Orange zusammen mit dem Theater in die Liste aufgenommen. Der eindrucksvolle römische Brücken- und Aquäduktbau, der „Pont du Gard“, folgte schließlich 1985.

Wasserleitung und Brückenbau Pont du Gard / Frankreich (© Foto: A. Schaflitzl)

Vom einzelnen Denkmal zur ganzen Stadt

Mit diesen einzelnen Bauwerken können nur bestimmte Lebensbereiche kennengelernt werden. Einen umfassenderen Zugang zum römischen Erbe ermöglichen große zusammenhängende Areale, die über eine Vielzahl an Gebäuden verfügen. Das sicherlich prominenteste Beispiel dafür ist die Welterbestätte Rom, die bereits im Jahr 1980 eingetragen und 1990 erweitert wurde. Bei einem Gang vom Kapitolshügel über das Forum Romanum zum Kolosseum säumen Tempel, öffentliche Gebäude, Basiliken und die kaiserliche Residenz auf dem Palatin den Weg.

Die auch heute noch beeindruckende Ausdehnung des Römischen Reiches kann an gut erhaltenen römischen Städten nachvollzogen werden. Ein Beispiel in Nordafrika etwa ist Leptis Magna im heutigen Libyen. Die nordafrikanische Stadt gehört mit ihrer Ernennung im Jahr 1982 ebenfalls zu den frühen UNESCO-Welterbestätten römischer Kultur.

Römisches UNESCO-Welterbe überwindet Grenzen

Neben dem Trierer Welterbe gibt es zwei weitere UNESCO-Stätten in Deutschland, die Zeugnisse römischer Kultur präsentieren: die Museumsinsel in Berlin und der Obergermanisch-Raetische Limes. Mit der römischen Grenzbefestigung ist eine Gruppe von Welterbestätten angesprochen, die sich nicht nur innerhalb der Grenzen eines einzigen Landes befindet. Bereits 1987 wurde der Hadrianswall im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland in die Welterbeliste aufgenommen.

Mit der Erweiterung des Welterbes um den Obergermanisch-Raetischen Limes in Deutschland entstand 2005 das UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches“. Drei Jahre später kam der ebenfalls in Großbritannien gelegene Antoninuswall dazu. Geplant ist eine Erweiterung des transnationalen Welterbes um weitere Abschnitte der über 5.000 km langen Außengrenze des ehemaligen Imperium Romanum. Länder in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika wären dann mit dabei.

Rekonstruierter Wachturm bei Taunusstein-Orlen (© Foto: A. Schaflitzl)

Was wir durch die Trierer Bauwerke zur Geschichte der Stadt erfahren und warum das so wichtig für die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste war, können Sie – wenn Sie möchten – im nächsten Blog-Beitrag im Mai lesen.


Extra: Blog-Reihe und Gastautor

UNESCO-Welterbe Trier

Zur Blog-Reihe

1986 wurden die Römerbauten Porta Nigra, Amphitheater, Kaiserthermen, Barbarathermen, Konstantin-Basilika, Römerbrücke und Igeler Säule sowie der Dom St. Peter und die Liebfrauenkirche zum UNESCO-Welterbe erklärt. Dr. Karl-Uwe Mahler vom Rheinischen Landesmuseum Trier beleuchtet in einer fünfteiligen Reihe das Trierer Welterbe mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten.

Warum es etwas Besonderes war, dass 1986 gleich neun Trierer Bauwerke in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden sind, kannst du hier nachlesen: „Welterbe in Trier – wie alles begann“

Dr. Karl-Uwe-Mahler

Zur Person

Studium in Kiel, Berlin und Mainz. Mitarbeit in verschiedenen Drittmittel-geförderten Forschungs- und Grabungsprojekten im In- und Ausland (u.a. UNESCO-Welterbestätten Lepcis Magna, Petra und Trier). Lehrtätigkeit (seit 2007) an den Universitäten Mainz, Gießen, Frankfurt und an den Hochschulen Wiesbaden und Trier. Zuletzt Schwerpunkt in der Lehre auf Vermittlung von archäologischem Erbe im Rahmen des Studienganges „Baukulturerbe” an der Hochschule Wiesbaden. Seit 2019 zuständig für die römischen Bauten am Rheinischen Landesmuseum Trier.



Titelbild:
Rekonstruktion der römischen Stadt Trier im 4. Jahrhundert. © GDKE / Rheinisches Landesmuseum Trier und Dießenbacher Informationsmedien, Xanten

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