Trier im FrühlingÜber Stock und Stein

Zwischen Reben, Raps und römischem Erbe

Zwischen Reben, Raps und römischem Erbe

Die Finaletappe des Saar-Hunsrück-Steigs zwischen Kasel und Trier

Wer bei Trier zuerst an Römer, Porta und Altstadt denkt, hat völlig recht. Wer denkt, vor den Toren der Stadt beginne hingegen nur noch ‚äppes mit Bliemcher‘, unterschätzt die Gegend gewaltig. Denn die letzte Etappe des Saar-Hunsrück-Steigs beweist, dass es für schöne Aussichten, Weinberge und Entschleunigung keine Fernreisen braucht.

Die rund 10,8 Kilometer lange Strecke führt von Kasel bis Trier – über die Höhenzüge vor der Stadt, durchs Avelertal und am Ende ganz praktisch bis zum Trierer Hauptbahnhof. Die An- und Abreise ist dadurch nachhaltig möglich – und man erspart sich das stets lästige „Wo haben wir nochmal geparkt?“

Von Kasel nach Trier: Warum gerade diese Etappe so besonders ist

Wenn Wanderwege steilgehen, löst das selten Begeisterungsstürme, dafür aber gerne mal Kurzatmigkeit aus. Langatmig wird es hingegen, wenn vor lauter Bäumen kaum ein Weg und schon gar kein Weitblick zu erkennen ist. Beides lässt die stadtnahe Trierer Etappe nicht befürchten: Sie vereint ein regionales Best-of aus römischer Geschichte, Genusskultur und naturnahen Glücksmomenten. Schon rund um Ruwer und Kasel zeigt sich, wie eng Kultur und Natur hier beieinanderliegen. Von dort geht es hinauf über die Höhen vor Trier, wo sich immer wieder kleine Ausblicke öffnen, die einen ganz automatisch langsamer werden lassen – nicht aus Atemnot, sondern weil es schlicht zu schön wäre, einfach vorbeizulaufen.

Wandern durch Triers Weinberge: Frühlingsgelb inklusive

Gerade im Frühjahr spielt die letzte Steigetappe ihre Stärken voll aus. Wenn die Rapsblüte die Region in sonniges Gelb taucht, bekommt die Tour eine Kulisse, die fast unverschämt fotogen ist. Dazu frisches Grün an den Hängen, erste Wärme in der Luft und Weinberge, die zeigen, dass Trier nicht nur Römer- sondern auch Genussstadt ist.

Unterwegs zwischen Aussicht, Avelertal und Weinkultur

Ein Highlight entlang der Route ist das Gut Avelsbach. Die ehemalige preußische Weinbaudomäne erzählt ganz nebenbei etwas über die Weinbaugeschichte der Region. Wer sich die Wirtschaftswege nahe des historischen Jugendstilbaus genauer anschaut, wird etwa ihre leichte Senkung bemerken. Zufallsvermutungen unterschätzen die preußische Genauigkeit: Ihr Winkel ist exakt so bemessen, dass kleine Schienenwägen die Traubenernte allein durch Eigengewicht in die Kelterhalle transportieren konnten.

Auf den letzten Metern: Naturkunde und Stadtgeschichte

Die Finaletappe lebt nicht nur von Ausblicken und Weinbergen, sondern auch von kleinen Entdeckungen. Hinter dem Gut Avelsbach kreuzt die Strecke ein blaues Klassenzimmer, das tiefe Einblicke in den Aveler Bach und seine Artenvielfalt gibt. Kurz darauf folgt mit dem Kürenzer Schlosspark noch ein Stück Trierer Stadtgeschichte: Zu entdecken sind das alte Schloss, das dazugehörige Teehaus und die Orangerie – Gebäude, die bereits in den 1850er-Jahren in Stadtschriften erwähnt wurden. So klingt die Wanderung nicht einfach aus, sondern hält bis zum Schluss noch Überraschungen bereit, bevor es hinab in die Stadt und zum Bahnhof geht. Und wer noch Energie hat, kann gleich weiterlaufen – entweder direkt vom Bahnhof aus, auf dem Moselsteig in Richtung Koblenz, oder im Weißhauswald, jenseits der Mosel, auf dem Eifelsteig in Richtung Aachen.

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Ursprünglich aus Trier, konnte ich mich während mehrerer Jahre Abwesenheit und Stationen im In- und Ausland davon überzeugen, dass es sich in der Heimat doch sehr gut leben lässt. Zum Bleiben haben mich, neben dem Riesling, u. a. auch die regionalen Wandermöglichkeiten, vor allem in Eifel und Luxemburger Schweiz, sowie die geniale Nähe zu Frankreich bewegt.

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