Trier: Gestern und Heute

1. Abtei St. Matthias

©Stadtarchiv Trier, Bildsammlung 7 (Postkartensammlung Dr. Ernst Piro)

©Inge Duhr/Abtei St. Matthias

Noch unbebaut und abgeschieden muteten die Matthiaskirche und der Mattheiser Weiher im Jahr 1906 an. Idyllische Spaziergänge führten in dieser Zeit vorbei an sanften Wiesenhügeln, dem beschaulichen Weiher und zahlreichen Obstbäumen. Diese Obstbäume waren und sind dabei von ausgesprochener Wichtigkeit für die Trierer Identität. Die rotgelben Früchte des Speierlings – eine mit der Vogelbeere verwandte Art Apfelbaum – sind schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts Zutat im Viez, der aus Trier nicht wegzudenken ist. Dank seiner gerbstoffhaltigen Früchte macht der Speierling den Viez haltbarer. Schon über 150 Jahre alt sind die Speierlinge rund um das Kloster St. Matthias. Doch nicht nur für den Viez eignet sich die Baumart besonders gut. Auch zur Stimmung trägt er bei, denn was wäre ein feuchtfröhlicher Abend ohne Musik? Dank seines besonders festen Holzes wird der Speierling auch gerne beim Bau von Musikinstrumenten verwendet. Und da Trierer im Allgemeinen ein kreatives Völkchen sind, haben sie es nicht bei Viez und Musik belassen, sondern benutzen die Früchte der Bäume auch gerne, um daraus Marmeladen, Gelees, Liköre und einiges mehr zu kochen. Ein echtes Multitalent, dieser Speierling!

 

2. Kornmarkt

©Stadtarchiv Trier, Bildsammlung 7 (Postkartensammlung Dr. Ernst Piro)

©TTM/Christian Millen

Gäbe es nicht noch immer den Sankt Georgsbrunnen, der als einer der schönsten Rokoko-Brunnen von ganz Deutschland gilt, wäre der Trierer Kornmarkt heute kaum wiederzuerkennen. Aber… Moment mal? Wer genau hinschaut, erkennt einen Unterschied zwischen der historischen Aufnahme von 1906 und unserem heutigen Kornmarkt. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts stand der Sankt Georgsbrunnen noch ein ganzes Stück weiter östlich: Direkt vor dem ehemaligen Rathaus der Stadt. Nachdem dieses während des 2. Weltkriegs zerstört wurde und auch der Brunnen in Mitleidenschaft gezogen wurde, entschied man sich im Laufe der anschließenden Restaurierungsmaßnahmen dazu, den Brunnen zu versetzen. Schaut der mutige Drachentöter Georg auch heute nicht mehr auf das Rathaus der Stadt, so hat er doch auch von seiner neuen Position immer noch genügend zu gucken: Wenn nicht gerade Eislaufsaison ist, bieten die zahlreichen Cafés und Restaurants, die den Platz säumen, genügend Raum für eine Vielzahl spannender Stadtgeschichten.

 

3. Kurfürstliches Palais

©Stadtarchiv Trier, Bildsammlung 7 (Postkartensammlung Dr. Ernst Piro)

©TTM/Dominik Ketz

Der stilistische Kontrast zwischen der römischen Konstantinbasilika und dem spätbarocken kurfürstlichen Palais kam 1907, als das historische Foto aufgenommen wurde, besonders gut zum Vorschein. Zu dieser Zeit sah der Palastgarten nämlich noch erheblich karger aus, als er es heute ist. Wo nun ausladende Gartenanlagen zum Verweilen einladen, lag damals noch ein monotoner Exerzierplatz. In seiner gegenwärtigen Form besteht der Palastgarten erst seit 1930. Noch immer ziert das verschmitzte Gesicht des Geldgebers, der den Ausbau der Anlage ermöglichte, die im Park erhaltenen Reste der mittelalterlichen Stadtmauer. Franz Weißebach, ein Mitbesitzer des Kanzemer Weingutes, das heute in den Händen seines Ur-Urgroßneffen Günther Jauch ruht, bereitete den damaligen Stadtvätern durch sein Testament zunächst erhebliches Kopfzerbrechen. 1925, zum Zeitpunkt seines Ablebens, fehlten der Stadt die finanziellen Mittel, um die Gartenlage auszubauen. Obwohl nun aber Weißebach die Stadt testamentarisch zu seiner Erbin bestimmt hatte, vereitelte er die Ausbaupläne zunächst durch eine Zweckbindung des Erbes. Das Geld sollte eigentlich für den Bau eines Krematoriums auf dem Hauptfriedhof genutzt werden – ein Plan, der im katholischen Trier undenkbar war. Erst nachdem der Stadtrat sich einer jahrelangen ‚Krematoriumsdebatte‘ widmete, konnte in den 1930er Jahren der Park endlich so angelegt werden, wie er heute noch besteht.

 

4. Der Hauptmarkt

©Stadtarchiv Trier, Bildsammlung 7 (Postkartensammlung Dr. Ernst Piro)

©TTM/Rebecca Haubrich

An kaum einem Ort ist Triers Geschichte auch heute noch bei einer 360° Drehung so vollständig sichtbar wie auf dem Hauptmarkt. Mögen auch die Geschäfte, Geschäftstreibenden und Einkaufenden sich immer wieder geändert haben, überwiegen doch die Ähnlichkeiten zwischen einem Blick auf den Hauptmarkt im Jahr 1906 und 2023. Noch immer erhebt sich der rechte Domturm mit seinen 76 m weit über die Dächer der Stadt, vor dem traditionsreichen Haus ‚Zum Domstein‘ lädt der allegorienreiche Petrusbrunnen alle Neugierigen zum Verweilen ein und die Mitte des Platzes kennzeichnet das Marktkreuz. Bereits seit dem Jahr 958 n. Chr. symbolisiert es dort die Marktfreiheit der Trierer Bürger*innen. Zölle, Verkaufsbeschränkungen und Sperrfristen sind nämlich keine Erfindungen unserer bürokratischen Gegenwart, sondern beschäftigten die Trierer Handelstreibenden bereits zu Zeiten, als an Online-Shopping noch nicht zu denken war. Die Marktfreiheit garantierte ihnen aber, zumindest an Markttagen, dank Beschränkungsaufhebungen und Vergünstigungen ihren Handel in Freiheit betreiben zu können.

 

Eine Zeitreise von St. Matthias bis zum Hauptmarkt

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2 Kommentare

  1. Schöne Zusammenstellung, nur die Geschichte von Weissebach, ist etwas legendär, bzw. so nicht ganz richtig. Der Palastgarten gehörte damals noch gar nicht der Stadt. Das Spaziergebiet, das mit dem Geld angelegt werden sollte, war nirgendwo verortet. Mit dem Geld wurde dann ein Teil der Wiese, nahe den Kaiserthermen, aber auch anderes, wie beispielsweise der Rosengarten im Weisshaus angelegt. Ist aber auch alles etwas kompliziert 😊 Der barocke anmutende Teil wurde in den 1940ern erst einmal mit Gelder des NS Reichs angelegt. Vor allem auch durch ABM Kräfte Genehmigung.

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