Die mit der Kamera tanzt

Die Foto- und Videokünstlerin Simone Busch ist immer mit der Kamera unterwegs. Auf Fotosafaris und an der Europäischen Kunstakademie bringt sie Menschen die facettenreiche Welt der Fotografie näher. In Zukunft will sie mit ihrem eigenen mobilen Studio private Shootings anbieten. Einblicke in die Arbeit einer Trierer Künstlerin, die zeigt, dass Alleinsein nicht zwingend einsam macht, sondern auch kreativ genutzt werden kann.

Die „Fotojägerin“ Simone Busch, Foto-Copyright: Steve Strasser

Wir treffen Simone Busch an ihrem Lieblingsort in Trier, dem Kurfürstlichen Palais. An diesem eisigen Wintertag ist der kleine Teich des östlichen Palastgartens zugefroren. Hier hält sie sich bei gutem Wetter besonders gerne auf. „Ich wohne in einer wunderschönen Stadt.“ Besonders die kurzen Wege schätzt sie an Trier. Ihr Tipp: „Man sollte ganz bewusst durch die Straßen laufen, auch mal hoch und um die Ecken schauen.“

Seit zehn Jahren ist die studierte Pädagogik- und Medienwissenschaftlerin selbstständig. Ihr wohl bekannteste Projekt: Die Foto- und Video-Reihe „RaumMann“, die bereits vier Ausstellungen füllte. Über 70 Männer hat Simone Busch dafür vor die Linse gebracht (siehe Extra). Mit dem Trierer Urgestein Helmut Leiendecker steht bereits Nummer 76 in den Startlöchern. Gedreht wird, sobald es der Pandemie-Verlauf zulässt. Doch die Füße legt Simone Busch bis dahin nicht hoch. Im Moment zieht es sie vor allem raus in die Natur, im Lockdown „noch exzessiver“ als vorher. Unser Gespräch führt uns gut 700 Kilometer von Trier in den Nordosten Deutschlands.

„Auf der Suche“ in Pandemie-Zeiten

Kaffee-Kocher und Zelt, dazu wehendes Grün an einem Ufer. Gleich in den ersten Sekunden des Kurzfilms „Auf der Suche“ wird spürbar, worum es Simone Busch bei ihrem Kunstprojekt an der Mecklenburgischen Seenplatte und an der Ostsee geht: Die Konfrontation mit dem eigenen Ich. „Alleinsein muss nicht unbedingt negativ sein“, findet die gebürtige Triererin. „Man sollte zu sich selbst ein gutes Verhältnis haben.“ Dass eine Entdeckungsreise nicht immer geographische Distanz erfordert, zeigt sie in „SchneeSpurenSuche“, das unweit von Trier im Hunsrück-Hochwald gedreht wurde und noch im März 2021 veröffentlicht werden soll. Bei den Film-Produktionen unterstützt sie ihr Lebensgefährte, der Filmemacher Steve Strasser.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mone Morgenstern: „Auf der Suche“, Teil 1

Das Natürliche zeigen

Ob planvoll mit der Kamera oder spontan mit dem Smartphone: Wichtig sei ihr beim Fotografieren, in Bewegung zu sein. „Wie mit einem Stift auf Papier kann ich auch mit meiner Kamera umgehen, indem ich sie mit mir bewege und sozusagen tanze.“ Auf eine nachträgliche Bearbeitung verzichtet die Künstlerin weitgehend. „Das scheint mir in der aktuellen Zeit, in der es immer ‚mehr, mehr, mehr‘ sein muss, sehr wichtig.“ Es geht ihr darum, das Natürliche zu zeigen.

Kunst ist für mich eine Sache, die aus dem Bauch herauskommt. Es sind Dinge, wo das Herz schwingen muss. Kunst soll Menschen bewegen.

Simone Busch

„Instagram ersetzt keine Ausstellung“

Die „Fotojägerin“ möchte mit ihrer Kunst Stimmungen, Gefühle, Reaktionen erzeugen, egal in welche Richtung: „Wenn der Betrachter sich aufregt, habe ich auch eine Reaktion erzielt.“ Alle werde sie nicht erreichen, weil der Massengeschmack nicht unbedingt dem entspreche, was sie ausmache oder zeigen möchte. In den letzten Monaten hat sie versucht, ihre Kunst medial aufzubereiten und weiter sichtbar zu bleiben. Dennoch vermisst sie während der Corona-Pandemie den persönlichen Kontakt: „Instagram ersetzt keine Ausstellung!“

Instagram als Präsentationsmöglichkeit: In Kursen der Europäischen Kunstakademie bietet Simone Busch Fotosafaris auch für „kleine Fotojäger“ an. Im Oktober 2018 ist diese Aufnahme beim Frankenturm in Trier entstanden. Foto-Copyright: Simone Busch

Ein mobiles Studio für besondere Shootings

Für die Zeit nach den Corona-Beschränkungen schmiedet Simone Busch bereits an einem neuen Konzept: mobile Fotografie. Wie das abläuft? „Ich fahre zu den Menschen nach Hause und baue vor Ort ein mobiles Studio auf.“ Dabei sollen persönliche Shootings entstehen. „Ich möchte mir gerne Zeit lassen und in einem Vorgespräch erfahren, wo die Person sich gerne aufhält und was sie sich vorstellt.“ Ein Ansatz, der in einer vermutlich schneller werdenden Nach-Corona-Welt sicher nicht an Wert verlieren wird.


Extra: Drei Fragen an Simone Busch zur „RaumMann“-Reihe

Um was geht es bei „RaumMann“ ?
In dieser Kunstreihe portraitiere ich Trierer Persönlichkeiten. Allein im ersten Teil waren es 40 Männer. Seit 2020 gibt es eine Special Edition von RaumMann 4.0. Es werden Herren in Kurzfilmen vorgestellt, die eine herausragende Leistung in den Zeiten von Covid- 19 für die Kunst- und Kulturszene gebracht haben.

Welche Vorteile hat es für dich, die Männer im Kurzfilm und nicht mehr mit Text und Fotografie darzustellen?
Beim Film ist die Suche nach geeigneten Männer zwar schwieriger. Aber es gibt auch bedeutende Vorteile: Man hört eine Stimme, sieht das Gesicht und die Bewegungen. So bekommt man einen viel intensiveren Einblick in die Person. Beim Foto macht der Betrachter sich selbst Filme im Kopf.

Warum gibt es keine „RaumFrau“?
Bevor ich auf das Projekt kam, habe ich online viele weibliche Models gesehen, die von männlichen Fotografen in Szene gesetzt wurden. Dazu wollte ich einen Gegenpol schaffen. Das heißt nicht, dass es keine spannenden Frauen gibt.

In Bewegung: Fotografie bedeutet für Simone Busch selbst aktiv zu sein.


Extra: Mehr zu Simone Busch


Text: Marius Diederich
Foto-Copyrights: Steve Strasser, Simone Busch

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.