Flanier durch Trier

Mosel, Saar und Ruwer erleben – direkt unter Triers Straßen

Mosel, Saar und Ruwer erleben – direkt unter Triers Straßen

Ein Besuch im Keller der Bischöflichen Weingüter

Auf Triers Weberbach rauscht der Verkehr, im Innenhof der Tuchfabrik klappert Geschirr, Musik klingt aus den Fenstern. Nichts deutet darauf hin, dass sich genau hier – tief unter der Erde – einer der weitläufigsten Weinkeller der Region verbirgt. Für Passanten unsichtbar, treffen dort über Jahrhunderte perfektioniertes Handwerk und moderne Weinbaukultur aufeinander. Hautnah erleben – und probieren – lässt sich das bei einer Führung durch die ausladende Kelleranlage der Bischöflichen Weingüter.

 

Der Besuch beginnt mit einem Glas Sekt und schnell wird klar: Hier geht es nicht um einen Museumsrundgang, sondern Einblicke in einen geschäftigen Arbeitsalltag. Dementsprechend bodenständig befördert ein Lastenaufzug Gäste hinab in den Untergrund. Ab dem Moment, da die Türen drei Stockwerke tiefer wieder lautlos aufgleiten, glaubt mich sich in einer anderen Welt. Das Auge braucht einige Sekunden, um sich an das schummrige Kellerlicht zu gewöhnen. Irgendwo tropft es. Ein leises Blubbern zeugt vom aktiven Gärprozess in den schier endlosen Reihen an Holzfässern. In der Luft liegt der Geruch von jungem Wein – herb und leicht säuerlich.

 

Schon auf den ersten Metern wird klar, dass „Keller“ ein viel zu kleines Wort für die Gänge und Hallen ist, die sich auf rund 30.000 Quadratmetern von der Rahnenstraße bis hin zur Basilika erstrecken. An den eigenen, heimischen Keller erinnert hier wenig… Wären da nicht die Fahrräder. Anders als zuhause warten die aber nicht auf die nächste Sonntagstour, sondern dienen praktischen Zwecken: 30.000 Quadratmeter wollen von den Mitarbeitenden schließlich zügig durchquert werden.

 

Natürlich verbirgt sich auch der ein oder andere Schatz in dem historischen Keller, dessen Ursprünge sich bis 1380 n. Chr. rückdatieren lassen. Eine beeindruckende Spinne aus Messing dient als Türhüterin für die edelsten Tropfen des Lagers. Spätestens hier wird deutlich, dass die Kelleranlage auch ein Archiv des regionalen Weinbaus ist. Die Bischöflichen Weingüter bewirtschaften prominente Lagen an Mosel, Saar und Ruwer. Eine Verkostung führt in die lokalen Unterschiede ein: gleiche Rebsorte, unterschiedliche Flüsse – unterschiedliche Handschriften.

 

Entstanden sind die Bischöflichen Weingüter 1966 aus dem Zusammenschluss mehrerer kirchlicher Weingüter; heute bewirtschaften sie rund 130 Hektar in 35 Lagen. Ikonisch darunter: der Wiltinger Scharzhofberg. Im Keller lagern rund 200 Moselfuder. Man merkt schnell: Nicht nur der Keller ist groß – auch die Region, die hier unterirdisch „zusammenkommt“.

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Ursprünglich aus Trier, konnte ich mich während mehrerer Jahre Abwesenheit und Stationen im In- und Ausland davon überzeugen, dass es sich in der Heimat doch sehr gut leben lässt. Zum Bleiben haben mich, neben dem Riesling, u. a. auch die regionalen Wandermöglichkeiten, vor allem in Eifel und Luxemburger Schweiz, sowie die geniale Nähe zu Frankreich bewegt.

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