Frühling am Rundweg um die Riveristalsperre
Trier ist für Römer, Welterbe und große Geschichte bekannt. Für Alpenkulisse eher nicht. Und doch liegt vor den Toren der Stadt ein Ort, der im Frühling erstaunlich nah an jene klare, stille Landschaftsästhetik heranrückt, für die manche erst viele Stunden gen Süden fahren: die Riveristalsperre. Ein Rundweg mit Wasserblick, Waldluft und ganz nebenbei erstaunlich viel Wissen über das Trierer Trinkwasser.
Trier hat ein Faible für Superlative. Die größte römische Stadt nördlich der Alpen. Mit der Porta Nigra das besterhaltene römische Stadttor diesseits der Alpen. Mit der Konstantin-Basilika der größte säulenlose Raum der Römer nördlich der Alpen. Was Trier bisher allerdings nicht ernsthaft für sich beansprucht hat, sind alpine Gefühle. Schneesichere Hänge? Eher schwierig. Gipfelkreuze? Fehlanzeige. Kühe vor dramatischer Bergkulisse? Nur mit sehr viel Fantasie. Aber wer im Frühling einmal den Rundweg an der Riveristalsperre geht, merkt schnell: Hochwald statt Hochalpen funktioniert überraschend gut


Denn die Riveristalsperre lebt genau von dieser stillen Klarheit, die man sonst gern weiter südlich verortet. Wasser, Wald, weite Blicke, frische Luft – und eine Landschaft, die nachhaltig durch ihre Ruhe beeindruckt. Im Frühling zeigt sich das besonders schön. Solange die Bäume noch nicht voll belaubt sind, bleibt die Sicht auf die glitzernde Wasserfläche über weite Teile der Strecke offen. Die Frühlingssonne fällt hell durch die noch lichten Äste, das Ufer wirkt weiter, und die sanften Wogen glitzern soweit das Auge reicht.
Der rund 7,9 Kilometer lange Weg führt einmal um das Trinkwasserreservoir der Stadt Trier und der Verbandsgemeinde Ruwer. Wer hier unterwegs ist, bekommt keine dramatische Kletterpartie, eine landschaftlich ausgesprochen schöne und atmosphärisch ruhige Runde, die sich ohne großen Aufwand in den Alltag oder ins Wochenende integrieren lässt.

Die Riveristalsperre ist mehr als ein schöner Ort für Naherholung. Wer hier unterwegs ist, läuft zugleich durch ein Trinkwasserschutzgebiet – und damit durch einen Landschaftsraum, der für Trier ganz unmittelbar relevant ist. Entlang des Weges informieren die Stadtwerke Trier durch moderne Beschilderung im wörtlichen Sinn beiläufig, wo das Wasser der Stadt herkommt, wie es kontrolliert, aufbereitet und verteilt wird. Unter anderem lernt man hier: Schon vor seiner Bereinigung hat das Wasser die glasklar Qualität eines Alpensees. Ziemlich beeindruckend!
Auch die Geschichte der Talsperre selbst ist spannend. Der Bau begann am 13. Oktober 1954. 1957 gelang ein erster erfolgreicher Probestau und am 13. Juni 1958 wurde die Riveristalsperre offiziell in Betrieb genommen. Seitdem fließt Wasser aus der Riveris, dem Thielenbach und benachbarten Seitenbächen in das Versorgungssystem der Stadt. Der Staudamm ist rund 50 Meter hoch, das Staubecken fasst bis zu fünf Millionen Kubikmeter Wasser. Auch das gehört zu den schönen Eigenheiten dieser Runde: Man geht durch eine friedliche Landschaft und merkt nach und nach, wie viel technische und planerische Intelligenz hier ruhen.

Fast noch schöner ist, dass sich Naturerlebnis und Gegenwartstechnologie nicht in die Quere kommen. Die Trinkwasserversorgung wird klimaneutral betrieben: Das Wasser fließt von der höher gelegenen Talsperre Richtung Irsch und erzeugt dabei über Turbinen Strom. Hinzu kommen Photovoltaikanlagen, dazu eine intelligente Steuerung, die den Energieeinsatz so abstimmt, dass möglichst viel des selbst erzeugten grünen Stroms direkt genutzt werden kann. Im Wasserwerk Irsch wird das Rohwasser anschließend in mehreren Schritten aufbereitet – das Ergebnis ist das bekanntlich sehr gute Trierer Trinkwasser. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Pointe dieser Runde: Man kommt wegen der Aussicht, des Lichts und des Wassers, schaut aber am Ende doch anders auf die beeindruckende Talsperre als noch zu Beginn.
Wer also zum Auftakt der Ausflugssaison eine lockere Runde sucht, die Landschaft, Bewegung und einen klugen Nebenerzählstrang zusammenbringt, sollte sich die Riveristalsperre merken. Hochwald statt Hochalpen ist in diesem Fall kein Trostpreis, sondern ein ziemlich guter Plan.
Auf einen Blick
Der Rundweg um die Riveristalsperre ist rund 7,9 Kilometer lang und dauert je nach Tempo etwa zwei bis zweieinviertel Stunden. Direkt am Anfang wartet ein kräftiger Anstieg – mit Kinderwagen also eher schweißtreibend. Danach läuft es sich deutlich entspannter weiter. Startpunkt ist der Parkplatz unterhalb der Staumauer. Ein Teil der Strecke verläuft gemeinsam mit dem Saar-Hunsrück-Steig und der Traumschleife Morscheider Grenzpfad.
